Sonntag, 27. April 2014

Tal der Tränen - bin ich bereit für eine neue Beziehung?

Nun ist über ein Jahr vergangen, seit mein Mann gestorben ist. Und ich dachte, das Schlimmste ist überwunden. Sogar sein 50. Geburtstag und sein Todestag waren keine Krisentage für mich, ich war beschäftigt mit meinem Studium und der Vorbereitung auf meine erste Prüfung Anfang März. Ziemlich arrogant habe ich alle Trauenden verurteilt, die jahrelang mit ihrer Trauer zu kämpfen haben und hatte gemeint, dass mir das niemals passieren wird. Man benötigt eben gescheite Begleitung, Therapie und mein spagyrisches Trauermittel, so war meine Meinung - bis ich eines besseren belehrt wurde...

Ja, das Leben ist hart und hat mir bös eins auf den Deckel gegeben, so dass ich nun einsehen musste, wahrscheinlich wird es immer weh tun, die Wunde wird immer bleiben und ich bin immer wieder bedroht, dass sie aufs Neue aufbrechen wird. Auch die beste Therapie und Selbsthilfemethoden können mich davor nicht bewahren. Ich muss immer wieder bereit sein, mich dem Schmerz zu stellen und zulassen, ihn zu fühlen. Und es tat weh wie nie, ich habe geweint - oft viele Stunden lang.

So waren die letzten Wochen eine echte Krise, tägliche Abstürze von den höchsten Höhen zu den tiefsten Abgründen und dann gleich wieder aufwärts. Es war sehr anstrengend, aber jetzt hat es sich wieder beruhigt und ich habe halbwegs zu meiner Mitte zurück gefunden. Ich muss aber damit rechnen, dass dies wieder geschieht und natürlich unerwartet und wenn man es am wenigsten brauchen kann.

Ich hatte mich in einen Mann verliebt. Gleich beim ersten Treffen wie ein Blitz - die ersten beiden Begegnungen waren beruflich, er ist ein Medizingeräte-Vertreter und hatte mir ein Gerät ausgeliehen, was er dann wieder abgeholt hat. Meine Gefühle haben sich dann beim zweiten Treffen verstärkt, ich war hin und weg und konnte nur noch an diesen Mann denken..... Zum Glück war das zweite Treffen erst nach meiner Prüfung, so hatte ich dann Semesterferien und etwas Zeit für diesen Zirkus, der dann folgte.

Also habe ich mich getraut, und ihm erst geschrieben, dass ich mich freuen würde, wenn wir uns anfreunden, da wir ja gleiche Interessen hatten (naja viel wusste ich noch nicht außer Musik und alternative Medizin) aber da er darauf nicht reagiert hat, habe ich dann einige Tage später noch einmal geschrieben und ihm gestanden, dass ich mich in ihn verliebt hätte und ihn gerne kennenlernen möchte. Darauf hin habe ich ihn öfter mit Emails bombadiert und endlich, zwei Wochen später zum Essen eingeladen. Er ist also eher von der langsamen Sorte, wie aus diesem Zeitplan hervorgeht und war durch meine Gefühle und mein Geschreibsel nicht sehr beeindruckt.....Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre da schneller ein Treffen zustande gekommen, da ich im siebsten Himmel schwebte, Widder bin und Geduld nicht zu meinen Stärken zählt.

Naja, es war ein schöner Abend, aber er war kaum aus der Tür, habe ich angefangen zu weinen und mir ist bewusst geworden, dass ich die Wochen vorher auch schon vermehrt geweint hatte. Ich hatte mir total unrealistische Erwartungen zurechtgelegt, die natürlich allesamt nicht erfüllt wurden und sehnte mich nach Zweisamkeit, Zärtlichkeit und Nähe und so war ich total traurig, dass er nun wieder weg war und ich noch nicht einmal den Eindruck gewinnen konnte, dass er meine Gefühle auch nur ein bisschen erwidert. Alles war weiterhin offen, eigentlich waren wir uns keinen Schritt näher gekommen.

Das Weinen hat sich dann immer mehr gesteigert bis mir am Ende der Woche beim Hundespaziergang klar wurde, dass ich zum größten Teil wegen meinem verstorbenen Mann weine und gar nicht wegen meiner neuen Liebe. Ich konnte gar nicht mehr unterscheiden, ob meine Sehnsucht meiner neuen Liebe galt oder meinem Mann und die Trauer ist immer intensiver geworden, je weniger sich dieser Mann gemeldet hat. Dann hatten wir was fürs Wochenende ausgemacht, das hat er abgesagt,  das nächste Wochenende genau das gleiche Spiel und jedes Mal bin ich in ein tiefes Loch gefallen, konnte aber hinterher besser unterscheiden, ob meine Gefühle gerade meinem Mann oder meiner neuen Liebe galten. Ich habe zum Teil stundenlang geweint, aber das war wohl wichtig und musste raus. Und seit dieser Absage für das Wochenende hat sich meine neue Liebe gar nicht mehr gemeldet, antwortet nicht mehr auf meine Emails, ich hatte ihn zum Geburtstag eingeladen, er hat weder ab- noch zugesagt, sondern hüllt sich in Schweigen. Nachdem ich mir ständig neue Illusionen gemacht habe, dass er sich irgendwann doch noch melden wird, habe ich nun entschieden, alle Emails zu löschen, die Emailsadresse ebenfalls und die Telefonnummern, weil keine Antwort ist auch eine Antwort und ich mache mich ja zum Affen, wenn ich immer wieder schreibe und mir Illusionen um etwas mache, was auf keinerlei Realität basiert. Ich finde es sehr schade, dass es so gekommen ist, denn ich bin immer noch der Meinung, er ist der Richtige für mich, aber ich vermute, dass ich noch nicht bereit für eine neue Beziehung bin und das hat meine neue Liebe gespürt.

Außen ist fast nichts geschehen außer einmal ein gemeinsames Essen, aber in mir war es der reine Chaos. Die Gefühle des Verliebtseins haben mich an die Zeit erinnert, als ich meinen Mann kennengelernt habe, die Sehnsucht, ihm ständig nah zu sein, das Verlangen nach Nähe. Ich habe alle Liebesbriefe aufgehoben, die mir mein Mann geschickt hatte, aber bis jetzt war ich nicht in der Lage, sie zu lesen.

Ich bin erstaunt, zu welchen Gefühlen ein Erwachsener fähig ist, ich hatte gedacht, das ist der Jugend vorbehalten, aber auch da habe ich mich schwer getäuscht. Und dieses Mal war es sogar unrealistischer als vor über 30 Jahren mit meinem Mann. Damals schwebten wir gemeinsam auf Wolke 7 und die Gefühle wurden erwidert. Das macht Verliebsein natürlich einfacher.

Die letzten Wochen ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass ich nun allein bin. Ich konnte mein Alleinsein nicht mehr, wie sonst meist, genießen, sondern habe mich plötzlich einsam gefühlt und abhängig von einem Mann, den ich anschmachte, der aber nichts von mir wissen will und einem anderen, den ich liebe und der diese Gefühle ebenfalls fühlte, der aber gestorben ist. Also Liebe und intensive Gefühle zu zwei Phantomen, auf keinerlei Realität basierend.

Ich bin meiner neuen Liebe sehr dankbar, dass er mir ermöglicht hat, so tief an meine Trauer zu kommen und hoffe, dass wenn ich das nächste Mal verliebt bin, der Chaos etwas kleiner ist. Aber ich denke, ich muss schon damit rechnen, dass jede neue Beziehung immer auch Erinnerungen an meinen verstorbenen Mann mit sich bringen wird und ich vermute, das es niemals ganz zu Ende sein wird, aber das werden wir sehen. Ein neuer Partner wird immer einen Platz neben meinem Mann in meinem Herzen erhalten. Damit muss er umgehen können und ich glaube, auch das ist nicht so einfach. In meinem Wohnzimmer habe ich während diesem Tal der Tränen eine Familien-Fotoecke eingerichtet und dort hängen natürlich auch einige Bilder von meinem Mann und unser Hochzeitsfoto. Dieser Lebensabschnitt mit meinem Mann und meinen Kindern ist ein Buch, was nun geschlossen wurde, aber jedes neue Kapitel, jedes neue Buch, was ich leben und schreiben werde, wird darauf aufbauen, ist quasi ein Folgeband. Und auch der Schmerz der Trauer wird wohl immer sichtbar sein, hat mich gezeichnet und ist eine Wunde, die meine Einzigartigkeit und Schönheit ausmacht. Wabi Sabi.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wabi-Sabi

Nun ist auf jeden Fall ganz viel Eiter abgeflossen, und die Wunde kann besser heilen. Das Tal der Tränen ist noch nicht ganz durchschritten, aber es ist schon ein Licht zu sehen und ich bin mir sicher, wenn ich die Tränen fließen lasse, ist alles gut so, wie es ist.

Das Leben ist ein Weg, ständige Veränderung, und so möchte ich mit Herbert Grönemeyer abschließen. Der Weg:

https://www.youtube.com/watch?v=UC81i2M30Bc&list=FL_n8XY0ZQiAhnM3M54VUqZw

Total Leadership - Ganzheitliches Leben mal aus anderer Sicht

Heute empfehle ich ein Buch und einen Kurs in englischer Sprache und deshalb ist dieser Beitrag nur für Menschen interessant, die das Englische so gut beherrschen, dass sie es verstehen können.

Normalerweise würde ich etwas erst empfehlen, wenn ich das Buch gelesen habe und den Kurs durchgearbeitet habe, aber da er am 30.4. 14 seine Pforten schließt und ich nicht weiß, wie oft und ob überhaupt er wieder angeboten wird, habe ich mich entschlossen, ihn schon zu empfehlen, obwohl ich erst das erste Kapitel gelesen habe und die erste Woche absolviert habe.

Um was geht es überhaupt:
Es geht um Total Leadership. Das meint nicht Führung nur auf Arbeit und Karriere bezogen, es sind also nicht in erster Linie Führungskräfte angesprochen. Sondern es geht um Führung von sich selbst und anderen zu einem reicheren Leben in Balance aller vier Säulen.

Diese Säulen sind:
Selbst auf körperlicher, emotionaler, intellektueller und spiritueller Ebene
Familie und Partnerschaft, Freunde
Arbeit und Karriere
Gesellschaft, Gemeinschaft und soziales Engagement

Bei dieser Balance geht es nun nicht, wie sonst meist, um eine Stärkung des eines Bereichs auf Kosten eines anderen, sondern um Stärkung einer Säule und dadurch  Bereicherung aller anderen Bereiche. Dieser Ansatz ist, so denke ich, neu und bisher wenig bekannt. Er entspricht dem tieferen Verständnis von Ganzheitlichkeit.

Hier nun der dreiwöchige Kurs, den die Universität Wharton kostenlos anbietet und der am 30.4.14 für Neuanmeldungen geschlossen wird:
https://www.coursera.org/course/totalleadership
Es gibt in der Kursumgebung auch eine deutschsprachige Gruppe, so ist das englische Schreiben also nicht Voraussetzung, um den Kurs zu absolvieren.
Professor Steward D. Friedman, der dieses Konzept entwickelt hat, hat kleine Videos erstellt, deren erste Woche leider sehr allgemein bleiben und mich bisher nicht begeistert haben. Da muss er also noch etwas zulegen.

Dafür habe ich gestern ein Video von ihm bei youtube gesehen, was mich sehr berührt hat und erahnen lässt, in welche Tiefe diese Ganzheitlichkeit gehen kann:
https://www.youtube.com/watch?v=w_90Wi_XUaU
Während dem Schauen musste ich mir leider eingestehen, das es mit meiner Ganzheitlichkeit im Moment nicht so weit her ist, wie ich bisher dachte. Davor hatte ich Ganzheitlichkeit selbstverständlich und mit Leichtigkeit gelebt und bis gestern hatte ich die Illusion, das dies immer noch meine Realität ist, aber nach Durchführung der im Video empfohlenen Selbstreflexion bin ich zu einem frustrierenden Ergebnis gekommen: dass durch den Tod meines Mannes mein ganzes Leben mit allen Säulen zusammengebrochen ist und ich es bisher nicht geschafft habe, alle vier Säulen wieder aufzubauen, sondern mich zuerst um mich selbst gekümmert habe. Diese Säule ist nun ziemlich fertig, aber durch eine Säule kann kein Leben getragen werden und so steht mein Leben zwar nicht mehr Kopf, ist aber immer noch in Schieflage und ich denke, dass mich das Leben zu diesem Kurs geführt hat, um mich nun auch dem Neuaufbau der anderen drei Säulen zu widmen.

So nun als letztes noch das Buch "Total Leadership":
http://www.amazon.de/Total-Leadership-Better-Leader-Richer/dp/1422103285
Ich empfehle die Kindle-Version, weil man dann während dem Lesen nur die unbekannten Wörter antippen muss und eine Übersetzung bekommt, ohne langwierig nachschlagen zu müssen. Das setzt natürlich voraus, dass du dir ein gutes Wörterbuch gekauft hast, die kostenlosen Versionen sind nicht ausreichend.
Im Buch habe ich erst das erste Kapitel gelesen, auch das hat mich bisher noch nicht wirklich begeistert, aber ich bin mir sicher, das wird noch kommen. Ich lese leider Englisch sehr langsam, bin da noch nicht ausreichend geübt.

Also dann viel Freude mit diesen Tipps und vielleicht treffen wir uns bei Coursera. Dort gibt es übrigens auch viele andere sehr interessante Kurse, ein paar sogar in Deutsch.

Herzlichst
Silke Geßlein